Viele Unternehmen nutzen KI, um Social Media Content wie Blogbeiträge oder LinkedIn-Posts zu erstellen. Das ist ein wichtiger Anwendungsfall und der Einsatz von KI-Systemen kann an dieser Stelle sehr effizient sein. Leider wird häufig eine weitere strategische Überlegung übersehen, damit zielgerichteter Inhalt und nicht Content ohne Kompass erzeugt wird.
In dieser zweiteiligen Praxisserie geben wir Impulse, wie die Content-Produktion durch einen klar definierten Vorprozess, der auch für den notwendigen Kontext sorgt, optimiert werden kann. Mit diesem ersten Teil geben wir einen Überblick über die KI Wettbewerbsanalyse sowie eine KI Content Strategie und im zweiten Teil gehen wir dann auf die einzelnen Prompts und den Prozess ein.
Die Frage ist nicht nur, wie wir kommunizieren, sondern worüber und vor allem: wo unsere Botschaft auf offene Ohren trifft.
Das Problem: Content ohne Kompass
Sie investieren 5 Stunden pro Woche in LinkedIn-Posts, aber erreichen Sie damit die richtigen Kunden? Mit KI-Unterstützung gelingt die Content-Erstellung leichter. Für viele Unternehmen ist das ein wichtiger Aspekt. Egal ob Social-Media-Posts, Blogbeiträge, Newsletter oder LinkedIn-Posts – die Texte entstehen dank KI-Unterstützung schneller, sind oft überraschend gut und das Marketing-Team kann so mehr Zeit mit anderen Aufgaben gewinnen. Wir bei NordAGI machen es genauso und es funktioniert.
Direkt in die Beitrags-Erstellung einzusteigen, kann dazu führen, dass ein wichtiger strategischer Aspekt übersehen wird. Denn wer sofort und voller Begeisterung in die Content-Produktion einsteigt, der schießt – im übertragenen Sinn – mit einem Schrotgewehr in den Himmel.
Die Frage ist nicht nur, wie wir kommunizieren, sondern worüber und vor allem: wo unsere Botschaft auf offene Ohren trifft.
Die (oft) übersehene Chance: KI als Tool für strategische Analysen der Wettbewerbslandschaft nutzen
Damit der Content auch wirklich seine Zielgruppe erreicht, sollten drei kritische Fragen sicher beantwortet werden können:
- Erstens: Wer sind eigentlich unsere Wettbewerber? Dabei geht es nicht um die offensichtlichen, die man schon lange kennt und denen man immer wieder auf Messen oder Branchentreffen begegnet. Sondern vor allem auch die, die in der Region oder in der Nische ganz leise Marktanteile gewinnen.
- Zweitens: Wo sind die Schnittmengen mit unseren Marktbegleitern und wo unterscheiden wir uns? Anders formuliert: Welche Leistungen oder Produkte bieten all unsere Mitbewerber an? Welche Segmente sind unterrepräsentiert, obwohl Nachfrage besteht, und wie können die damit verbundenen Chancen genutzt werden?
- Drittens: Was und wie kommunizieren wir bereits und was übersehen wir dabei? Vielleicht haben Sie ein echtes Alleinstellungsmerkmal, das auf der Unternehmenswebsite nur am Rande erwähnt wird. Oder Sie betonen etwas, das zehn andere Mitbewerber mehr oder weniger genauso sagen.
Die KI kann dabei helfen, diese Fragen systematisch zu beantworten – in einem Bruchteil der Zeit, die eine manuelle Recherche kosten würde, und ohne dabei voreingenommen zu sein.
Ein Beispiel aus der Praxis
Um zu zeigen, was wir damit meinen, haben wir das an einem Beispiel durchgespielt. Nicht für einen unserer Beratungskunden, sondern wegen eines Alltagsanlasses: Wir benötigten neue Business-Fotos für unser Team.
Am Ende sind wir mit einem Fotostudio ins Gespräch gekommen, das wir bei unserer Recherche beinahe übersehen hätten, das aber genau die Leistungen anbot, nach denen wir suchten – denn versteckt hinter Newborn-Fotografie gab es ein Angebot für Business-Fotos, das genau unseren Anforderungen entsprach.
Die Praxisfrage, eine Hypothese und der Test
Die Praxisfrage: Kann sich ein systematisches Wettbewerbsscreening auch für ein kleineres Dienstleistungsunternehmen rentieren?
Unsere Überlegung: Wenn es sich für ein kleines Unternehmen lohnt, dann ist es bestimmt auch für den Mittelstand einen Versuch wert.
Der Test: Hätte ein Wettbewerbs-Screening zu einer besseren oder offensichtlicheren Positionierung der Angebote des Fotostudios führen können?
Die Ausgangslage
Ein Fotostudio im Nordschwarzwald. 30 Kilometer Einzugsgebiet. Mehrere Leistungsangebote (von der Babybauch- und Newborn-Fotografie bis zu Business-Porträts).
KI Wettberwerbsanalyse: Das Screening
Wir haben unseren Prompt für die KI Wettbewerbsanalyse mit dem Angebot des Fotostudios angepasst und mit einer Recherchefunktion ausgestattet laufen lassen.
Die Ergebnisse:
- 43 Fotografen und Studios im vorgegebenen Einzugsgebiet wurden auf der Grundlage einer Web-Recherche identifiziert
- Darunter sechs direkte Wettbewerber mit Angeboten im Kerngeschäft (Newborn-Fotografie)
- Ergänzend 23 Wettbewerber im Business-Segment
Ein ganzes Angebotssegment ist unterrepräsentiert
Die zentrale Erkenntnis aus dem ersten Screening war: Ein ganzes Angebotssegment liegt brach.
Dieses Angebot war schwer zu finden: Das Fotostudio bietet „Business-Fotografie“ im Kontext von „Personal Branding für Selbstständige“ an.
Gut versteckt: Diese Information war gut hinter Babybauch und Newborn-Fotografie versteckt und deshalb auch nicht gleich im Webauftritt ersichtlich.
Die Kernaussage ist: Im 30-Kilometer-Radius gibt es keinen anderen Anbieter, der explizit „Personal Branding für Selbstständige“ anbietet. Natürlich gibt es Corporate-Fotografen, die ihre Angebote auf KMUs oder Konzerne zugeschnitten haben. Und Hochzeitsfotografen machen nebenher auch Bewerbungsfotos.
Unerkannte Marktlücke
Coaches, Designer, Gründer und andere Selbstständige – für diese Zielgruppe ist das Angebot relevant, wird aber durch das Fotostudio nicht ausreichend adressiert.
Es gibt tatsächlich eine Marktlücke für eine spezielle Ausprägung der Corporate-Fotografie, und wegen des fehlenden Bewusstseins wurde das bestehende Angebot auch nicht deutlich genug gegenüber der Zielgruppe kommuniziert.
Was ändert sich mit diesem Wissen? Oder „Vom Schrotgewehr zum Spearfishing“
Es gibt ein Angebotssegment, für das es Kunden gibt, aber das Angebot wird nicht ausreichend kommuniziert. Was ändert sich mit diesem Wissen?
Schrotgewehr und was immer läuft
Das Studio postet auf Instagram schöne Babyfotos, weil das eben das Kerngeschäft ist. Die Business-Seite existiert, ist aber in der Navigation kaum sichtbar. Das SEO ist verbesserungswürdig für „Personal Branding Fotograf“.
Spearfishing und ergänzendes Angebot
Das Marketing kann gezielt die Lücke besetzen. SEO für „Personal Branding Fotograf [Region]“. Ergänzend dazu eine LinkedIn-Präsenz aufbauen, weil dort die Zielgruppe unterwegs ist. Zusätzlich Content erstellen, der explizit Selbstständige anspricht. Neue Kooperationen mit Coworking-Spaces statt wie bisher nur mit Hebammenpraxen.
Ein weiterer Effekt: Das Werbebudget wird dort eingesetzt, wo die Konkurrenz nicht präsent ist.
Warum „Mach mal eine Wettbewerbsanalyse“ nicht funktioniert
Dieses kleine Experiment verdeutlicht: Ein initiales Wettbewerbs-Screening durchzuführen, ist dank KI-Unterstützung einfach umsetzbar.
Entscheidend für den Erfolg ist der Kontext: KI kann ein Sparringspartner sein, der hinterfragt und Ergebnisse liefert. Um Ergebnisse zu liefern, ist immer ein genauer Kontext erforderlich.
Hier kommt wieder zum Tragen, was wir schon oft gesagt haben: „Mach mal eine Wettbewerbsanalyse“ ist genauso wenig zielführend wie „Verbessere mal meinen Text“. In beiden Fällen kommt es auf den Kontext an. Wenn dieser fehlt, dann werden bestenfalls mittelmäßige Ergebnisse erzielt.
Gemeinsam mit der KI den Kontext und den Prozess entwickeln
Die gute Nachricht ist, dass der Prompt für das Wettbewerbsscreening gemeinsam mit der KI entwickelt und dann weiter verfeinert werden kann (dazu mehr im zweiten Teil dieser Serie). Ebenfalls hilfreich ist es, wenn die KI darauf trainiert ist, Rückfragen zu stellen, statt Annahmen zu treffen.
Der erste Durchlauf des Wettbewerbs-Screenings fokussierte stark auf das Newborn-Segment – weil die Website des Studios dort am deutlichsten positioniert war. Das Business-Angebot war buchstäblich hinter Babybildern versteckt, denn es gab Pop-ups mit Babybildern auf allen Seiten – auch denen mit Business-Content.
Drei Iterationen später
Drei Durchläufe und einige Anpassungen an dem ursprünglichen Prompt später hatten wir ein belastbares Wettbewerbs-Screening in den Händen.
Die drei Anläufe sind kein Fehler, sie sind vielmehr der Normalfall, wenn Prozesse erstmals etabliert werden. KI liefert bessere Ergebnisse, wenn sie versteht, was Sie wirklich wissen möchten. Dafür benötigt sie Kontext, Nachsteuern und kritisches Mitdenken.
Ohne guten Kontext gibt es nur mäßige Ergebnisse.
Der iterative Prozess: KI-gestützte Wettbewerbsanalyse
Gute Ergebnisse entstehen nicht beim ersten Versuch – sondern durch gezieltes Nachsteuern
Was ein solches Screening liefert
Den Prompt haben wir gemeinsam mit der KI noch weiter verfeinert, um auch Handlungsempfehlungen zu erhalten:
- Marktpositionierung: Welche Segmente sind überfüllt, welche unterbesetzt?
- Differenzierungsmerkmale: Was macht dieses Studio einzigartig – und wird das kommuniziert?
- Konkurrenzanalyse: Wer sind die relevanten Wettbewerber, wie positionieren sie sich?
- Sichtbarkeit: Wo rankt das Studio bei Google, wo nicht? Welche Keywords sind unbesetzt?
- Optimierungen: Konkrete Maßnahmen für SEO, Social Media und Content-Strategie.
Das Entscheidende daran ist, dass all das aus öffentlich verfügbaren Informationen – Websites, Google-Einträge, Social-Media-Profile, entstand. Die KI hat nichts recherchiert, was ein Mensch nicht auch hätte finden können. Aber sie hat es systematisch, vollständig, mit dem Blick von außen und in einem Bruchteil der Zeit getan.
Ist das relevant für Ihr Unternehmen?
Bevor Sie den nächsten LinkedIn-Post schreiben oder den nächsten Blogbeitrag planen, fragen Sie sich:
- Wissen Sie wirklich, gegen wen Sie kommunikativ antreten?
- Kennen Sie die Lücken in Ihrem Markt, die noch niemand besetzt hat oder wo es wenige Mitbewerber gibt?
- Kommunizieren Sie Ihre echten Stärken und Alleinstellungsmerkmale – oder das, was alle sagen?
Im zweiten Teil dieses Beitrags zeigen wir Ihnen, wie Sie ein solches Screening selbst durchführen können. Welche Fragen Sie stellen sollten, wie ein guter Prompt aussieht, und worauf Sie bei der Interpretation achten müssen.
Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie „KI in der Praxis“. Wir zeigen, wie wir KI selbst einsetzen – nicht nur in der Theorie, sondern im Alltag. Weil wir glauben: Wer KI-Beratung anbietet, sollte sie auch leben. Hier finden Sie unseren Blog über unsere eigene KI Integration.
Im nächsten Teil: Der How-To-Guide – So führen Sie ein KI-gestütztes Wettbewerbs-Screening selbst durch.
Lassen Sie uns ins Gespräch kommen
Sie stehen vor der Herausforderung, KI strategisch in Ihrem Unternehmen zu verankern? Lassen Sie uns über Ihren individuellen Transformationspfad sprechen.
Unser Versprechen: Wir kennen jeden Schritt dieser Journey aus eigener Erfahrung – mit allen Höhen und Tiefen.



