KI als Sparringspartner: Wie Führungskräfte ein echtes Gegenüber gewinnen

KI als Sparringspartner: Wie Führungskräfte ein echtes Gegenüber gewinnen

Die meisten Unternehmen nutzen KI heute für operative Aufgaben: Texte übersetzen, E-Mails formulieren, Dokumente zusammenfassen. Das ist ein Anfang – aber es ist, als würde man nur im ersten Gang fahren. Das oft ungehobene Potenzial: Moderne KI-Systeme wie Claude oder ChatGPT können weit mehr als Routineaufgaben erledigen. Sie können als strategische Sparringspartner fungieren – für Entscheidungsfindung, Produktentwicklung, Verhandlungsvorbereitung und die kritische Reflexion von Geschäftsstrategien. Dieser Beitrag zeigt, wie wir bei NordAGI eine KI in unserer täglichen Arbeit einsetzen, welche Voraussetzungen dafür nötig sind und wo die Grenzen liegen. Es geht nicht um Effizienzsteigerung bei Routineaufgaben, sondern um einen grundlegend anderen Umgang mit KI bei Fragen von strategischer Bedeutung.

KI als strategischer Denkpartner statt digitaler Handlanger

Wenn das einzige Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus. Das gilt auch für KI. Wer sich damit zufriedengibt, dass eine KI Texte übersetzt oder E-Mails formuliert, hat ihre Rolle schnell definiert – und ihr Potenzial drastisch unterschätzt.

Der Unterschied liegt im Prompt. Statt „Übersetze bitte dieses PDF ins Englische“ könnte die Anfrage lauten:

„Unterstütze mich bei der Entwicklung einer Go-to-Market-Strategie für unser neues Produkt. Die technische Beschreibung habe ich mit dir geteilt. Lass uns iterativ vorgehen. Stelle mir alle Fragen – eine nach der anderen – damit du alle Informationen hast, die du benötigst, um mich optimal zu unterstützen.“

Das ist ein fundamental anderer Ansatz. Die KI wird nicht als Handlanger für einfache Aufgaben genutzt, sondern als Partner auf Augenhöhe. Als Challenger, der aus unterschiedlichen Perspektiven auf ein Problem blickt und Annahmen hinterfragt, um Blind Spots aufzudecken.

KI in der Praxis

Wir arbeiten bei NordAGI mit einem leistungsfähigen KI-Modell als Sparringspartner. Das Modell kennt unsere Unternehmensstruktur, weiß, wer welche Aufgaben schwerpunktmäßig bearbeitet, und versteht, worin wir stark sind – und wo wir Unterstützung brauchen.

Produktentwicklung ist meine Domäne. Marketing hingegen fällt mir schwerer, weil ich nicht besonders gerne sichtbar bin. Das weiß das KI-Modell, weil ich es ihm mitgeteilt habe – und es berücksichtigt das in seinen Empfehlungen.

Wording und Kommunikation: Gemeinsam mit der KI haben wir in einem iterativen Prozess unser Wording entwickelt, das die Grundlage für unsere gesamte Unternehmenskommunikation bildet. Jeder Blogpost, jeder LinkedIn-Beitrag wird vorab mit der KI reflektiert. So stellen wir sicher, dass wir konsistent kommunizieren und unsere Botschaften klar ankommen.

Produktentwicklung und Positionierung: Das KI-Modell unterstützt mich regelmäßig bei strategischen Fragen. Ist unser Leistungsversprechen klar genug kommuniziert? Welche Erwartungen haben unsere Kunden? Wir arbeiten nicht nur an USPs, sondern auch am Sales-Prozess. KI hilft uns, Blind Spots in unserer Argumentation zu identifizieren und Gegenargumente vorzubereiten.

Das bedeutet: Wir haben unsere Produktentwicklung schon vor dem ersten echten Kundenkontakt kritisch durchgespielt und gechallenged. Lücken, Fehler oder falsche Annahmen werden früher sichtbar. Nach den ersten Kundeninteraktionen fließt deren Feedback in den Prozess ein – und die nächste Iteration beginnt.

Vorbereitung auf Gespräche und Verhandlungen: Welche Argumente nehmen wir als gegeben hin, weil wir einen Wissensvorsprung haben – den unser Gesprächspartner aber nicht hat? KI hilft uns, verschiedene Szenarien durchzuspielen. Es geht dabei nicht immer darum zu „gewinnen“. Manchmal liegt der größere Mehrwert darin, dass beide Seiten einen guten Ausgleich finden. KI unterstützt uns auch bei schwierigen Entscheidungen – etwa ob wir einen Auftrag annehmen sollten, der mit gewissen Risiken behaftet ist.

Nutzung im Team: Wir nutzen KI auf strategischer Ebene – und zwar als Team, sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander. So entsteht durch Iteration ein vielschichtiges Bild, das zu fundierteren Entscheidungen führt.

Eine interessante Beobachtung aus der Praxis: Vielen fällt es leichter, einen Business Case von einer KI challengen zu lassen als von Kollegen. Die Hemmschwelle ist niedriger, die Offenheit größer.

KI als Sparringspartner: Die vier Erfolgsfaktoren

Von der operativen Assistenz zum strategischen Denkpartner – so holen Sie das volle Potenzial aus KI-Systemen.

Kontext geben

Je mehr relevante Informationen die KI hat, desto präziser ihre Beiträge. Ohne Kontext bleiben Ergebnisse generisch und bestenfalls mittelmäßig.

Beispiel-Ansatz
„Die technische Beschreibung habe ich mit dir geteilt. Du kennst unsere Zielgruppe und unser Geschäftsmodell."

Iterativ arbeiten

Statt eines monolithischen Prompts: Schritt für Schritt entwickelt sich die Lösung – der Denkprozess wird dabei sichtbar und verfeinerbar.

Beispiel-Ansatz
„Lass uns iterativ vorgehen. Stelle mir alle Fragen – eine nach der anderen – damit du optimal unterstützen kannst."

Challenger-Modus aktivieren

KI-Systeme sind von Haus aus höflich. Fordern Sie explizit kritisches Hinterfragen ein – kein Ja-Sager, sondern ein kritischer Sparringspartner.

Beispiel-Ansatz
„Hinterfrage meine Annahmen kritisch. Welche Blind Spots siehst du? Wo könnte meine Argumentation Lücken haben?"
Bonus ?

Unsicherheiten benennen lassen

KI-Aussagen klingen oft überzeugend. Lassen Sie explizit Unsicherheiten offenlegen – das hilft, Antworten richtig einzuordnen.

Beispiel-Ansatz
„Wo bist du dir sicher, wo gibt es Zweifel? Kennzeichne Unsicherheiten explizit in deiner Antwort."

KI als Sparringspartner: Die KI wird nicht als Handlanger für einfache Aufgaben genutzt, sondern als Partner auf Augenhöhe. Als Challenger, der aus unterschiedlichen Perspektiven auf ein Problem blickt und Annahmen hinterfragt, um Blind Spots aufzudecken.

KI richtig prompten: „Erstelle eine PowerPoint für mich“ reicht nicht

Damit KI als Sparringspartner funktioniert, braucht sie mehr als einen kurzen Befehl. Drei Faktoren sind entscheidend – plus ein Bonus:

  1. Kontext: Eine KI benötigt den entsprechenden Kontext, um wirklich hilfreich zu sein. Ohne diesen Kontext wird das Ergebnis generisch und bestenfalls mittelmäßig. Je mehr relevante Informationen die KI hat, desto präziser und nützlicher werden ihre Beiträge.
  2. Iteration: Statt eines monolithischen Prompts, der alles auf einmal enthält, ist ein iterativer Ansatz oft wirksamer. Schritt für Schritt entwickelt sich die Lösung – und der Denkprozess wird dabei sichtbar.
  3. Challenger-Modus: KI-Systeme sind von Haus aus höflich und zurückhaltend mit Kritik. Das ist wenig hilfreich. Besser ist es, der KI explizit mitzuteilen, dass sie Annahmen hinterfragen soll. Ihre Rolle ist die eines kritischen Sparringspartners, nicht die eines Ja-Sagers.

Bonus – Unsicherheiten benennen lassen: Was eine KI von sich gibt, klingt oft nach dem Brustton der Überzeugung. Es lohnt sich, die KI aufzufordern, Unsicherheiten klar zu benennen. Wo ist sie sich sicher? Bei welchen Aspekten gibt es Zweifel oder offene Fragen? Das hilft enorm dabei, die Antworten richtig einzuordnen.

Mit diesen Anpassungen erhalten Sie statt oberflächlich überzeugend klingender Aussagen differenziertes, kritisches Feedback. Das ist der Unterschied zwischen „Verbessere mal meinen Text“ und systematischer Nutzung auf strategischer Ebene.

Grenzen der KI: Warum Entscheidungen beim Menschen bleiben

Das alles klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Und tatsächlich gibt es klare Grenzen.

KI ist ein Coach für uns – aber nicht der Entscheidungsträger. Die Verantwortung für eine abschließende Entscheidung kann keine KI übernehmen. Und sie sollte es auch nicht.

Das Bauchgefühl: Was eine KI nicht kann, ist auf das Bauchgefühl zu hören. Erfahrene Entscheider kennen das: Alles sieht auf dem Papier gut aus, aber irgendetwas fühlt sich nicht richtig an. Dieses Signal kann eine KI nicht liefern – und nicht ersetzen.

Die Echo-Kammer: Genau wie Menschen kann auch eine KI in einer Echo-Kammer gefangen sein. Mit jeder Iteration wird das Echo lauter. Ein falscher Ansatz am Anfang kann den gesamten Prozess in die falsche Richtung lenken.

Das passende Modell wählen: Je komplexer die Fragestellung, desto wichtiger ist es, mit einem leistungsfähigen Modell zu arbeiten und zusätzliche Funktionen wie Websuche oder Dokumentenanalyse einzubinden.

Ein Praxis-Tipp: Wir lassen die Ergebnisse einer KI gelegentlich von einer anderen KI challengen. Vier Augen – auch wenn sie virtuell sind – sehen mehr als zwei. Das hat uns interessante Einblicke gebracht, wie verschiedene KI-Systeme die gleiche Ausgangslage bewerten und argumentieren.

Was sich an meiner Arbeitsweise verändert hat

Früher habe ich „geschrieben, um zu denken“. Der Schreibprozess half mir, Argumente zu sammeln und Perspektiven einzuordnen. Entstanden sind dabei lange E-Mails an das Team, in denen ich um Feedback und Validierung meiner Denkprozesse bat.

Mit dem KI-Modell hat sich das grundlegend verändert. Ich nutze es konsequent, um meine Überlegungen zu strukturieren und Entscheidungen challengen zu lassen. KI ist für mich zu einem hochverfügbaren Ratgeber geworden. Ich kenne seine Limitierungen – und genau das macht die Zusammenarbeit einfacher.

Die Chats sind mit dem Team geteilt. Die abschließende Validierung wichtiger Entscheidungen durch das Team haben wir beibehalten. Aber der Weg zur Entscheidung – der hat sich grundlegend gewandelt.

KI strategisch nutzen: Ein abschließender Impuls

Es ist den Versuch wert, auch strategische Themen mit einer KI zu bearbeiten. Die aktuellen Modelle sind gut genug, um echte Unterstützung zu bieten.

Wer ein LLM wie Claude oder ChatGPT nur dafür nutzt, Texte zu übersetzen oder E-Mails zusammenzufassen, fährt im ersten Gang auf der Autobahn. Das verfügbare Potenzial bleibt weitgehend ungenutzt.

Und die Entscheidung, was man mit den Erkenntnissen der KI macht? Die bleibt immer beim Menschen. Aber ein gut vorbereiteter Mensch trifft bessere Entscheidungen.

Sie sind nun neugierig darauf, wie KI in Ihrem Unternehmen gut eingesetzt werden kann?

Die Beispiele in diesem Artikel stammen aus unserer täglichen Arbeit bei NordAGI. 

In unserem Leadership-First-Programm geben wir diese Erfahrung weiter: Nicht als PowerPoint-Schulung, sondern als praktische Arbeit an Ihren echten strategischen Fragestellungen. Sie bringen Ihre spezifischen Themen mit und wir zeigen Ihnen, wie KI zum Partner wird.

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